


 | Voyager's Digest Number 1
o, ich habe es geschafft! Ich bin in Singapur sicher angekommen (gute Nachricht Nummer eins). Davor lag aber ein langer Pfad komplizierter Transaktionen...
Nachdem ich meinen Koffer abgeholt habe und ein bisschen Geld gewechselt habe, ging ich zum naechsten freien Taxi und sagte "Please take me to Kum Hing Court" (wo ich wohne). Als Antwort bekam ich ein wegen des chinesischen Akzents fast unverstaendliches "I donno where dat iss!". Super. Wenn der Taxifahrer schon nicht weiss, wo ich wohne... Also erklaerte ich, wie ein Schwein schwitzend, dem Taxifahrer, wie er zu meiner Wohnung finden kann... Ein Glueck, dass ich im Internet schon vorher nachgesehen hatte, wo ich wohne. Als ich dann im Kum Hing Court angekommen war, war es gerade 7:30 Uhr. Also klopfte ich an die Tuer, die in der Adresse meiner Vermieterin angegeben war. Es oeffnete natuerlich erstmal keiner. Nachdem ich also ca. 10 Minuten schwitzend dagestanden hatte, und wie ein Bekloppter geklingelt hatte, oeffnete mir doch noch jemand. Meine Vermieterin war das allerdings nicht. Es war ein Deutscher (Stefan), etwa 26 Jahre alt. "Hi! Ich suche nach Joice, meiner Vermieterin!". "Komm erstmal ‚rein. Joice habe ich hier noch nie vor 16:00 Uhr gesehen, aber setz' Dich schonmal...". "Super.", Dachte ich, „Naja, ich habe ja genug zum Lesen dabei.", und setzte mich auf meinen Koffer. Joice kam aber schon nach 2 Stunden, so dass ich wenigstens noch wach war und reagieren konnte. Sie hat mir dann gleich mein Zimmer gezeigt. Das Zimmer, das ich reserviert hatte, war natuerlich "No free - someone still dere!". Also bekam ich ein Zimmer mit 5 anderen (alles Deutsche), mit denen ich auch ein Klo teile. Aber ich habe wirklich Glueck: Die sind alle super nett. Da ist Anja, die noch bis August diesen Jahres da ist, und auch schon ewig in Singapur ist (Studenten der FH muessen ja ein halbjaehriges Praktikum machen). Dann ist da noch Imo (ja, er heisst wirklich so), und noch ein paar andere. Alle super nett, haben mich gleich abends noch mitgenommen, als wir in's Regents Hotel gegangen sind (Happy Hour: Alle Salate und Drinks zum halben Preis!). Also, ein echt guter erster Tag, wenn man von den anfaenglichen Startschwierigkeiten absieht... Nachts habe ich dann gleich fast 13 Stunden am Stueck geschlafen. Jetlag laesst gruessen... Die Klimaanlage in meinem Zimmer funktioniert jedenfalls: Fast zu gut. Abends habe ich sie voll aufgedreht. Nachts um halb vier bin ich dann wach geworden. Ich habe die Frostbeulen behandelt, mir die Schneeflocken vom Gesicht gewischt und bin zur Klimaanlage gegangen. Ich habe sie dann ausgeschaltet. Dann bin ich um 9:00 Uhr nochmal nassgeschwitzt aufgestanden und habe die Anlage wieder eingschaltet. Ein gesundes Mittelmass gibt es hier scheinbar nicht.
Am naechsten Tag (also heute) bin ich dann immerhin schon um 13:00 Uhr aufgestanden. Wenigstens bin ich jetzt ausgeschlafen. Dann bin ich runter in die Stadt gegangen, um meine zukuenftige Arbeitsstelle zu finden. Sehr nett, muss ich sagen! Mitten auf der Orchard Road, der groessten Einkaufsstrasse Asiens, im International Building. Ich habe dann gleich meine Chefin gesehen, und ihr mein Mitbringsel uebergeben (Spaetzle - Ich hatte ihren Akzept am Telefon erkannt). Ist glaube ich gut angekommen. So, und jetzt sitze ich in einem Cyber-Café in Singapur und schreibe euch. Die Connection ist langsamt, aber sie funktioniert wenigstens. Bis zum naechsten Update!
Viele Gruesse, und denkt an mich!
Martin Frech, 12. Mai 1999
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